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Alles im Garten

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»Alles im Garten« von Edward Albee

Inszenierung: Hilde Brand

Originaltitel „Everything in the Garden“

Der ganz alltägliche Wahnsinn…

„Jemand hat eine Leiche im Keller“ ist ein bekanntes Sprichwort. Gemeint sind damit alle Fehltritte, Betrügereien und  Verleumdungen, die ein Mensch im Lauf seines Lebens begeht und vertuscht. Aber irgendwie bleibt sie doch präsent, die Leiche.

Albee macht mit dem Sprichwort in unserem Stück  Ernst und treibt es auf die Spitze. Mit Witz und psychologischer Intelligenz entwickelt er, wie das schleichende Gift der hier personifizierten Verführung zu wirken beginnt.

Denn zunächst ist der Wunsch nach einem Häuschen, einem gepflegten Garten, einer guten Ausbildung für die Kinder, netten Freunden und die Mitgliedschaft im Tennisclub ja wohl nicht verwerflich. Oder?

Da braucht bloß jemand mit einem dicken Geldbündel zu winken und alle Tugenden und Prinzipien werden auf den Misthaufen, respektive in die Senkgrube geworfen.  Der Wert der Ware beherrscht die Handelnden bis zur Zerstörung ihrer psychischen und realen Persönlichkeit. Wie viel ärmer werden doch die Menschen, wenn sie immer reicher werden wollen! Der Preis ist hoch, wenn der Besitz von Konsumgütern als wichtigstes Merkmal von Erfolg und Anerkennung gilt  und höher als Liebe, Freundschaft und Menschlichkeit rangiert.

Können die Protagonisten den Lauf des Verhängnisses noch aufhalten? Wird die ach, so reizende Jenny von ihrem in den Wahnsinn treibenden Mann Richard noch zur Umkehr bewegt? Erkennt der fröhliche Zecher und reiche Außenseiter Jack, der die Geschichte kommentiert, den Ernst der Lage? Er beschwört doch unwissentlich direkt die Katastrophe erst herauf! Und das unschuldige Töchterchen, das mit großen Augen am Rande des Geschehens steht und nur eine dunkle Ahnung von den bösen Spielchen der Erwachsenen bekommt, was wird wohl aus ihr?

Die Aufrechterhaltung der brüchigen kleinbürgerlichen Fassade ist oberstes Gebot und wird hysterisch verteidigt. Tja und da muss man eben zwangsläufig auch mal über Leichen gehen. Es wächst ja Gras drüber.

Kann jemals alles so sein wie es vorher war, wächst wirklich Gras über die Geschichte?